Recruitainment – spielerisch neue Kandidaten gewinnen

Was ist Recruitainment?

Heute wollen wir uns der schönsten Nebensache der Welt widmen. Ein Schelm, wer jetzt Böses dabei denkt! Tatsächlich tun es Vögel, Fische, Hunde und Katzen. Kinder tun es auch und Erwachsene sowieso: Spielen! In einem Artikel las ich neulich von Forschern, die Spielen auf den ersten Blick als „ineffizient und sinnlos“ beschrieben haben. Trotzdem tun es alle. Weil wir ihn alle in uns haben: den Spieltrieb!

Wenn uns Spielen so viel Freude macht, warum nicht das Schöne mit dem Nützlichen verbinden? Das dachten sich vor ein paar Jahren auch ein paar Recruiter und erfanden das Recruitainment. So oder so ähnlich könnte es stattgefunden haben. Tatsächlich erschien der Begriff „Recruitainment“ jedoch erstmals 2001 im Rahmen eines Beitrags zum Thema Personalmarketing in der WELT.

 

Recruitainment ist ein Kunstwort, das aus Recruiting und Entertainment zusammengesetzt wurde. Recruitainment bezeichnet dabei den Einsatz spielerisch-simulativer Elemente in Berufsorientierung, Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting und unterstützt eine effiziente Personalgewinnung.

Einsatzmöglichkeiten des Recruitainments

Assessment Recruitainment

Recruitainment wird in den Medien oft auch als „Bewerbung per Online-Game“ bezeichnet. Das schafft dem Thema und der Branche auf der einen Seite eine erhöhte Aufmerksamkeit, andererseits werden aber auch falsche Assoziationen erzeugt. Die Vorstellung, dass es sich bei Recruitainment um Spiele handelt, bei denen man „spielerisch“ Rückschlüsse auf die berufliche Eignung eines Kandidaten ziehen kann, um am Ende damit eine verlässliche Auswahlentscheidung zu begründen, steht auf wackeligen Beinen. Doch was ist Recruitainment dann?

  • Assessment: Bei der Vorauswahl von Bewerbern bringt Recruitainment einen wichtigen Nutzen. Spielerisch können so Kandidaten identifiziert werden, die für bestimmte Aufgaben besonders geeignet sind. So z. B. in der IT das Lösen von bestimmten Codes. So kann Recruitainment auch eine Alternative zum klassischen Vorstellungsgespräch sein.

 

  • Unternehmenskultur: Spiele können qualifizierten Nachwuchstalenten einen Einblick in den künftigen Arbeitsalltag bieten. Vorstellbar sind u. a. Rollenspiele, bei denen Kandidaten verschiedenen Tätigkeiten „ausprobieren“ können (z. B. Technik, Marketing, Buchhaltung). Eine interaktive Reise durch das Unternehmen und die Büros sind nur Beispiele für den vielfältigen Einsatz.

  • Eignungstests: Durch Recruitainment können die Fähigkeiten und Eignungen von Kandidaten spielerisch getestet werden. Gerade erst hat BMW ein System eingeführt, mit dem Fähigkeiten, Kenntnisse und Soft Skills von Kandidaten, die sich initiativ bewerben, in einer Art „Self-Assessment“ identifiziert werden können.

Im Recruitainment spielt der Spaß am Spielen eine wichtige Rolle. Zum einen wird bei der Zielgruppe die Neugier und Aufmerksamkeit geweckt. Zum anderen wirkt sich der Spielspaß positiv auf die Motivation ansonsten oft eher trockener, manchmal sogar stressend empfundener Themen wie z. B. Berufsorientierung, aus.

Einflussfaktoren des Recruitainments

Wenn Sie glauben, dass Recruitainment nur eine Modeerscheinung ist, muss ich Sie enttäuschen. Das Gegenteil ist der Fall. Verschiedene Einflussfaktoren werden in Zukunft dafür sorgen, dass Recruitainment weiter an Bedeutung gewinnen wird.

  • Gaming: Wer schon mal das Vergnügen hatte, die Messe Gamescom in Köln zu besuchen, wird schnell gemerkt haben, dass sich hier ein neuer, ernsthafter Wirtschaftszweig etabliert hat. 2019 lag der Umsatz für Computer und Videospiele in Deutschland bei 3,88 Milliarden Euro. Laut einer GFK Untersuchung spielen in Deutschland gut 34 Millionen Personen regelmäßig Videospiele. Kurz gesagt: Games sind nicht nur ein starker Wirtschaftsfaktor, sondern ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft.

 

  • Gamification: Seit einigen Jahren ist „Gamification“ zu einem Trend in der Marketingkommunikation geworden. Gamification bezeichnet dabei den Einsatz von Game-Elementen in Nicht-Game Kontexten. Dabei werden Produkte, Anwendungen oder kommunikative Themen spielerisch aufgeladen, also „gamifiziert“. Ein Beispiel dafür ist, die Vermittlung von trockenen Lerninhalten. So spricht die Sprachlernsoftware Duolingo durch das Freischalten neuer Funktionen das Belohnungssystem an. Auch Farben und eine Lernkurve als Grafik steigern die Motivation.

 

  • Generationenwandel: Mehr und mehr erobern die Zielgruppen der Generation Y und Z den Markt und die Unternehmen und verändern damit die Art der Kommunikation und Umgang in der Gesellschaft. In Bezug auf Unternehmen fordert die junge Generation Transparenz und eine Kommunikation auf Augenhöhe. Dadurch gewinnen vor allem informativ-unterhaltsame Auswahlinstrumente mehr und mehr an Bedeutung, die den Trend zum Recruitainment weiter verstärken.

Vor- und Nachteile des Recruitainments

Menschen reichen sich die Hände - Recruitainment

Gerade in Zeiten des wachsenden Fachkräftemangels und dem Kampf um die besten Talente, versuchen sich Arbeitgeber positiv von Wettbewerbern abzuheben. Dabei ist Recruitainment ein Weg, um mit Infotainment und Unterhaltung Kandidaten für sich zu gewinnen. Hinsichtlich der Tatsache, dass sich der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren noch verstärken wird, sind Unternehmen gut beraten neue Wege zu gehen. „Post and Pray“ ist vorbei und auch die klassische Stellenanzeige erzielt oft nicht mehr die Ergebnisse vergangener Zeiten. Unternehmen investieren daher verstärkt in ihr Employer Branding und die Sichtbarkeit ihrer Arbeitgebermarke.

Recruitainment ist dabei ein Baustein mit vielen Vorteilen:

  • Mit Recruitainment präsentieren sich Unternehmen zielgruppennah, innovativ und modern
  • Gute und spannende Recruitainment-Angebote, die von der Zielgruppe positiv aufgenommen werden, werden über Social Media Netzwerke geteilt. Die dadurch entstehende Reichweite zahlt direkt in die Sichtbarkeit der Arbeitgebermarke ein.
  • Kandidaten kann „spielerisch“ die Unternehmenskultur nahegebracht werden
  • Auch durch Offline-Spiele wie z. B. Escape Rooms, erhalten Recruiter wichtige Informationen über Kandidaten und können Rückschlüsse auf das Team- und Arbeitsverhalten ziehen.

So schön sich die Vorteile von Recruitainment lesen, so wichtig ist es auch, die Risiken einer Recruitainment-Strategie zu kennen. Damit Sie und Ihr Unternehmen Fehler vermeiden, zeigen wir Ihnen hier ein paar negative Effekte, die es zu vermeiden gilt:

  • Recruitainment-Maßnahmen sollten immer auf die Zielgruppe abgestimmt sein. Sind sie das nicht, kann es passieren, dass diese an der Zielgruppe vorbeigeht und als unangemessen empfunden wird. Gerade Unternehmen mit einem hochseriösen Image könnten an Glaubwürdigkeit verlieren.
  • Stößt die Recruitainment-Idee sogar auf Ablehnung, können negative virale Effekte wie „Shitstorm“ folgen.
  • Eine gut durchdachte Recruitainment-Idee erfordert viele Ressourcen. Diese verpuffen aber, wenn die Maßnahme an der Zielgruppe vorbei geht.
  • Ein weiterer negativer Punkt ist, dass Kandidaten durch den spielerischen Effekt die Ernsthaftigkeit z. B. eines Assessments vergessen und sich dadurch weniger anstrengen. Für Recruiter ist es daher wichtig, die Recruitainment-Idee auf Eignung und Durchführung zu prüfen.

Zusammenfassung - Fazit

Lust auf Spiele liegt in der Natur von uns Menschen. Es macht vieles leichter, spannender und interessanter. Dinge, die bisher langweilig waren und wenig mit Spaß und Freude zu tun hatten, können jetzt zu neuem Leben erwachen. „Spielend lernen“ ist ein Begriff, der jetzt Realität geworden ist. Für den Personalmarkt kann Recruitainment eine erfrischende Richtung bekommen. Vor allem bei jungen Zielgruppen, die der Arbeitsmarkt hinsichtlich des Fachkräftemangels dringend benötigt, kann Recruitainment ein Weg in eine neue Recruiting-Zukunft sein. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.

Haben Sie Erfahrung mit Recruitainment? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns. Wir sind immer an einem Austausch zu Ihren Erfahrungen, Wünschen u. a. interessiert. Sehr gerne können Sie mich unter f.hasenoehrl@yourfirm.de kontaktieren. Ich freue mich, von Ihnen zu hören.

Häufig gestellte Fragen:

Was ist Recruitainment?

Recruitainment ist ein Kunstwort, das sich aus den Begriffen Recruiting und Entertainment zusammensetzt. Erstmals wurde der Begriff im Jahre 2001 im Zusammenhang mit im Recruiting eingesetzten Eignungstests mit spielerischen Elementen beschrieben. Mit Recruitainment wird versucht, bisher eher langweilige Tätigkeiten wie z. B. Assessments, mit spielerischen Elementen positiv erlebbar zu machen.

Welche Vorteile hat Recruitainment?

Gerade hinsichtlich des „War for Talents“, also dem Kampf um gut ausgebildete Fachkräfte, ist Recruitainment ein Weg für Unternehmen, sich positiv von der Konkurrenz abzuheben. Durch spielerische Tests und Informationen, erhalten Kandidaten ein Bild des Unternehmens, bei dem sie sich bewerben. Unternehmen hingegen erhalten Informationen über die Fähigkeiten und Eignung eines Kandidaten für eine bestimmte Stelle.

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es für Recruitainment?

Die Einsatzmöglichkeiten für Recruitainment sind umfangreich:

  • Berufsorientierung für Kandidaten und Bewerber
  • Stärkung der Employer Brand für Unternehmen und Recruiting
  • Durch Recruitainment kann ein möglichst guter „match“ zwischen Unternehmen und Kandidaten erreicht werden
  • Recruitainment kann in Self Assessments, Berufsorientierungsspielen, Auswahlverfahren, Informations- und Lernangeboten eingesetzt werden

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Autor: Frank Hasenöhrl

f.hasenoehrl@yourfirm.de