Recruting per Assessment Center

Kein Grund zur Panik

Wer glaubt, mit dem Thema Assessment Center nur in Dax-Konzernen oder international tätigen Großunternehmen konfrontiert zu werden, täuscht sich. Auch mittelständische Firmen entdecken zunehmend dieses spezielle Auswahlverfahren im Bewerbungsprozess. Denn ein Assessment Center bietet für Personalentscheider die Möglichkeit, potentielle Kandidaten für eine Position im direkten Vergleich beobachten und bewerten zu können.

 

Dem einen oder anderen wird es schon beim Gedanken an ein Bewerbungsgespräch flau im Magen. Bei der Einladung zu einem Assessment Center rutscht das Herz dann endgültig in die Hose. Schließlich sollen dem Vernehmen nach bei solchen Testtagen harte Belastungsproben auf die Kandidaten warten, die mit psychologischen Tricks an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht werden.

Auswahlverfahren im direkten Vergleich

Nun, ganz so schlimm kommt es selten. Vor allem sollte man sich eines immer vor Augen halten: Wer zu einem Assessment Center eingeladen wird, hat bereits durch seine fachliche Qualifikation wichtige Punkte gesammelt und im Vorfeld vermutlich schon eine ganze Reihe Mitbewerber aus dem Rennen geworfen. Die ersten Hürden sind also bereits erfolgreich gemeistert.  Vor der endgültigen Entscheidung wollen die Arbeitgeber mit Hilfe eines Assessment Centers herausfinden, welcher Kandidat am besten ins Unternehmen und auf die zu vergebene Position passt.

 

Und dafür werden weder Kosten noch Aufwand gescheut: Assessment Center dauern teils bis zu drei Tage und finden oft in Tagungshotels oder Seminarzentren statt. Der genaue Ablauf sieht bei jedem Unternehmen anders aus. In der Regel werden mit verschiedenen Aufgaben und Tests Situationen aus der Praxis nachempfunden, in denen sich die Kandidaten behaupten müssen.

 

Um den meist eng getakteten Tagesablauf einhalten zu können, gibt es für alle Bestandteile eines Assessment Centers feste Zeitvorgaben. Allerdings sind einzelne Aufgaben so konzipiert, dass sie im vorgegebenen Zeitrahmen kaum erledigt werden können. Was kein Grund zur Panik ist: Denn dies erfolgt ganz bewusst. Die Tester wollen damit zum einen herauszufinden, wie die einzelnen Kandidaten unter Stress reagieren, zum anderen, ob und wenn ja, wo die Bewerber Prioritäten setzen.

Bestandteile eines Assessment Centers

Fester Bestandteil eines jeden Assessment Centers sind verschiedene Tests.

 

In Intelligenztests geht es weniger um Faktenwissen, als vielmehr darum, Zusammenhänge zu erkennen und Schlussfolgerungen ziehen zu können. Beliebt sind hierbei sprachliche Analogien, logische Zahlenreihen oder Tests des räumlichen Vorstellungsvermögen.

 

In Persönlichkeitstests wiederum sollen Charaktereigenschaften ergründet werden. Den Bewerbern werden beispielsweise bestimmte Aussagen vorgelegt. Er muss sich dabei zwischen mehreren (abgestuften) Antwortmöglichkeiten entscheiden. Zum Beispiel, ob er einem Verhalten voll oder überhaupt nicht zustimmen kann. Die Auswertung soll etwas über den Typ des Teilnehmers aussagen.

 

In Leistungstests werden Fähigkeiten erfasst, die nicht der Intelligenz zuzuordnen sind, so zum Beispiel Konzentration oder Ausdauer.

 

In Fallstudien werden die Kandidaten mit einem komplexen Sachverhalt konfrontieren. Dabei befassen sich die Aufgaben normalerweise mit einem Branchen-typischen Problem. Fallstudien sind in einem Assessment Center oft als Gruppenarbeit angelegt. Dabei soll herausgefunden werden, wie die Teilnehmer an ein schwieriges Problem herangehen und ob sie bereit sind gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten. Hier geht es den Beobachtern darum, die Teamfähigkeit der einzelnen Kandidaten herauszufinden.

 

Ähnliches gilt in den Gruppendiskussionen, die ebenfalls fester Bestandteil fast jeden Assessment Centers. Diskutiert wird ein vorgegebenes Thema, dabei wird von den Teilnehmern zum einen erwartet, die eigene Position überzeugend zu vertreten, genauso wichtig ist aber auch Kompromissbereitschaft. Schließlich ist es auch hier das Ziel, das gestellte Problem möglichst einvernehmlich zu lösen

Unter ständiger Beobachtung

Bei allen Test sollte man sich immer bewusst sein, dass die Jury-Mitglieder – Personaler, Vorgesetzte und/oder externe Experten – die Kandidaten keine Sekunde aus den Augen lassen. Auch nicht in den Pausen. Ein beliebtes Element von Assessment Centern ist auch ein gemeinsames Essen. Dabei wollen die Unternehmen das gesellschaftliche Auftreten, die soziale Kompetenz und das Kommunikationsvermögen der Bewerber testen.

 

Nicht nur für den Small Talk beim Essen sollte man sich im Vorfeld eines Assessment Centers detailliert über den potenziellen Arbeitgeber und die Branche informieren. Auch ein gutes Allgemeinwissen ist ein Joker in einem Assessment Center Denn auch bei den Übungen und Tests werden gerne auch Fragen zum aktuellen Zeitgeschehen und der Entwicklungen der jeweiligen Branche gestellt. Deshalb sollten Sie vor dem Assessment Center besonders aufmerksam die Medien verfolgen.

 

Übrigens:

Wer glaubt, Assessment-Center seien eine amerikanische Erfindung, liegt falsch. Es ist vielmehr eine deutsche Erfindung, ins Leben gerufen von der Reichswehr nach dem ersten Weltkrieg zur möglichst neutralen Auswahl von künftigen Reichswehr-Offizieren. Erst nach dem zweiten Weltkrieg verbreitete sich das Auswahlverfahren im zivilen Bereich und wird heute vorwiegend in Deutschland und Großbritannien eingesetzt.

 

 

 

Aktuelle Angebote

Weitere Stellenangebote aktuell - Testsieger