Triales Studium

Intro

Dem Handwerk fehlt es an jungem, engagierten und innovativen Führungspersonal. Zur Lösung des Problems wurde das Triale Studium ins Leben gerufen. Innerhalb kurzer Zeit erwirbt der Absolvent dabei den Gesellen- und den Meisterbrief sowie den Abschluss als Bachelor im Handwerksmanagement. Doch liegt in diesem Konzept wirklich die Zukunft des Berufsstandes?

Das Triale Studium – was ist das eigentlich?

Wer seine berufliche Karriere im Handwerk sieht, aber dennoch gerne einen Universitätsabschluss besitzen möchte, kann ein Triales Studium absolvieren. Dabei handelt es sich um einen Bildungsweg, bei dem innerhalb kurzer Zeit drei Qualifikationen parallel zueinander erworben werden. Ein derartiges Angebot existiert gegenwärtig in 19 Handwerksberufen, zu denen etwa Bäcker und Dachdecker, Friseure und Zahntechniker sowie Tischler und Maler gehören. In einem solchen Job ist es möglich, binnen viereinhalb Jahren einerseits den eigentlichen Berufsabschluss nebst Meisterbrief zu erwerben, andererseits aber auch ein Studium zu durchlaufen. Das Studium selbst wird übrigens im Fach des Handwerksmanagements absolviert. Wer alle drei genannten Qualifikationen erreicht, bereitet sich also für eine berufliche Perspektive im Handwerk vor, ist aber gewillt, dort Führungsaufgaben zu übernehmen. Das Triale Studium bietet sich daher für Personen an, die später einmal nicht nur einen Handwerksbetrieb eigenständig führen möchten, sondern die vielleicht sogar eine höhergestellte Anstellung suchen – etwa in der Handwerkskammer oder bei einer Baubehörde.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Wer sich für einen dreifachen Abschluss interessiert, sollte allerdings bereits zu Schulzeiten über gute Noten verfügen. Zwar mögen auch schlechtere Zeugnisse geeignet sein, um sich im Handwerk für eine Ausbildung zu bewerben. Die Türen der Universität oder der Hochschule öffnen sich dagegen nur für junge Talente, die bereits das Abitur oder das Fachabitur besitzen – das ist die Mindestvoraussetzung, um später einmal den gewünschten Bachelorabschluss in den Händen zu halten. Das Triale Studium verbindet darüber hinaus wie kaum ein anderer Bildungsweg die praktischen und die theoretischen Fähigkeiten der Teilnehmer. Diese müssen also einerseits klug und kreativ sein, sollen andererseits aber auch über eine handwerkliche Begabung verfügen. Daneben ist ein hohes Maß an Disziplin erforderlich, um das Lernpensum zu erfüllen, das in den doch recht engen Zeitplan von gerade einmal viereinhalb Jahren gezwängt wurde – eine Dauer, die auf normalem Wege kaum genügt, um eine Handwerksausbildung nebst Meisterbrief zu beenden.

Wie verläuft die Handwerksausbildung für ein Triales Studium?

Ein Job im Handwerk ist begehrt. Umso mehr, wenn er eine Position auf der Führungsebene anstrebt. Oft dauert es viele Jahre, ehe der Interessent eine derart hohe fachliche Qualifikation besitzt, dass er sich für ein solches Amt bewerben kann. Mit dem Trialen Studium soll der Weg deutlich verkürzt werden. So wird bereits die reine Ausbildungsdauer im Handwerksberuf von drei auf zweieinhalb Jahre gesenkt. In dieser Zeit erwartet den Bewerber ein straffes Programm. An drei Tagen in der Woche arbeitet er regulär in seinem Betrieb, an den übrigen beiden Tagen besucht er die Berufsschule. Hat er diese erste Phase der Ausbildung mit dem Gesellenabschluss beendet, so kann er ohne Pause direkt an seinem Meisterbrief arbeiten. Hier kommt es allerdings auf das Bundesland und die dort gewählte Hochschule an, ob diese Qualifikation innerhalb eines oder innerhalb von zwei Jahren durchgeführt wird.

Wie werden der Meisterbrief und der Bachelor erworben?

Wichtig ist somit die Erkenntnis, dass die ersten zweieinhalb der insgesamt viereinhalb Jahre ausnahmslos für den Gesellenabschluss aufgewendet werden müssen. Die verbleibenden zwei Jahre untergliedern sich in das Studium und die Meisterschule. Üblicherweise wird der Bachelor innerhalb von vier Semestern erworben. Eine straff gefüllte Zeit, denn unter der Woche absolviert der Student Vorlesungen und Arbeitsgruppen, an denen er über einen Onlinezugang teilnimmt. Erst am Freitag und am Samstag einer jeden Woche erscheint er persönlich an der Fachhochschule, um dort weitere Kurse zu besuchen. Am Meisterbrief arbeitet er – je nach Bundesland und Bildungsangebot – zumeist ein bis zwei Jahre. Und das parallel zum Studium. Hier wird er hauptsächlich in der Betriebsführung geschult. Eine rein handwerkliche Zusatzausbildung findet dabei also nicht mehr statt. Und doch wird dem Bewerber neben den Prüfungen auf der Fachhochschule auch ein sogenanntes Meisterstück abverlangt, ehe er das Triale Studium beendet.

Welche Vorteile bringt das Triale Studium?

Die Einsparung von Zeit ist wohl der größte Pluspunkt, den ein solches Bildungsangebot kennt. Wer den üblichen Weg einer Handwerksausbildung, der erforderlichen Berufserfahrung und der dann folgenden Meisterschule geht, kann seinen Meisterbrief oft erst nach rund 10 Jahren in den Händen halten. Das Triale Studium verkürzt diese Dauer um mehr als die Hälfte – und bietet zudem noch einen Studienabschluss, mit dem weitere Stufen auf der Karriereleiter erklommen werden können. Das wiederum lohnt sich auch für die Betriebe, Unternehmen und Behörden im Bereich des Handwerks, die junges und doch bestens ausgebildetes Führungspersonal erhalten. Dem Wunsch, diesen Fachbereich für die Zukunft deutlich zu verjüngen und die Verantwortung nicht alleine den alten Meistern zu überlassen, wird damit entsprochen.

Welche Nachteile besitzt das Triale Studium?

Gut und schön, dass die Zeit der Ausbildung verkürzt wird. Doch darf nicht übersehen werden, dass dem jungen Führungspersonal dabei die berufliche Erfahrung verloren geht. Es gibt sinnvolle Gründe, zwischen dem Gesellenabschluss und der Meisterschule auf normalem Bildungswege eine mehrjährige Pause einzulegen, die dafür verwendet wird, sich im Handwerk wichtige Kenntnisse und Kompetenzen zu erwerben. Dieses wertvolle Wissen fehlt dem Absolventen des Trialen Studiums. Mehr noch, ihn erwartet innerhalb von viereinhalb Jahren ein derart straffes Programm, dass zu einem Privatleben kaum Zeit bleiben dürfte. Wichtige Jahre seines Lebens widmet er daher ausnahmslos der beruflichen Weiterbildung. Damit mag er sein Interesse an einer Anstellung auf der Führungsebene im Handwerk unterstreichen. Dennoch verzichtet er auch im Leben darauf, schon in jungen Jahren wichtige Erfahrungswerte zu sammeln, die ihm im Beruf – etwa bei der Persönlichkeitsförderung von Lehrlingen – einen Vorteil bieten könnten.

Das Triale Studium – das Wichtigste zusammengefasst:

  • Innerhalb von viereinhalb Jahren werden drei berufsqualifizierende Abschlüsse erworben
  • Neben der Gesellenausbildung und dem Meisterbrief absolviert der Lehrling ein Bachelor-Studium
  • Ein solcher dreifacher Abschluss berechtigt für die Arbeit in Führungspositionen
  • Das Triale Studium wird gegenwärtig ausnahmslos im Handwerk angeboten – und das in 19 Berufen
  • Der Weg zum begehrten Job führt über eine strenge Disziplin und einen straff gefüllten Zeitplan
  • Unkritisch sollte der Bildungsweg nicht gesehen werden: Dem Absolventen fehlen letztlich wichtige Berufserfahrungen, die er in der knappen Zeit kaum sammeln konnte