Stellenanzeige richtig lesen und verstehen

Intro

Der Weg zum neuen Job führt nur selten am Durchstöbern vieler Stellenanzeigen vorbei. Hier erfährst Du, wie diese normalerweise aufgebaut sind, welche Informationen Du daraus lesen kannst und wie du abgleichen kannst, ob du ein geeigneter Kandidat für diesen Job bist. 

In der Stellenanzeige solltest Du folgende Informationen immer finden:

  • Informationen zum Unternehmen (Branche, Produkte, Standort, Besonderheiten)
  • Informationen zum Job (Jobtitel, Anstellungsart, Beschreibung der Aufgaben, Position)
  • Bedingungen seitens des Unternehmens (Vorausgesetzte Qualifikationen (Muss), gewünschte Kenntnisse (Kann), Reisebereitschaft, PKW)
  • Bewerbungsrelevante Informationen (Kontaktdaten, Einstellungstermin, Leistungsversprechen z. B. Gehalt)
Eine klassische Stellenanzeige setzt sich üblicherweise aus fünf Abschnitten mit unterschiedlichen Schwerpunkten zusammen. In jedem findest Du dabei die oben genannten Informationen, welche die Stelle selbst, die gewünschten Kompetenzen oder auch das ausschreibende Unternehmen betreffen. Berücksichtige diese in deinem Anschreiben und stimme es gezielt darauf ab - so verbesserst Du Deine Chancen, Dich von Mitbewerbern abzuheben.

1. „Wir sind ...“ – Die Visitenkarte des Unternehmens

Mit dem ersten Abschnitt der Stellenanzeige stellt sich das Unternehmen selbst vor. Dazu wird dem Bewerber beispielsweise ein Überblick über die Standorte, die Mitarbeiterzahl oder die Branche gegeben. Achte bereits in diesem Abschnitt auf die Nachricht hier zwischen den Zeilen! Verwendet das Unternehmen Formulierungen wie beispielsweise „Wir sind ein international tätiges Unternehmen“ oder „Europaweit haben wir XY Standorte“, dann könnten fortgeschrittene Englischkenntnisse gefordert sein.

Typische Begriffe sind außerdem „dynamisches Unternehmen“, „traditionsreiches
Familienunternehmen“, „flache Hierarchien“ oder auch „angenehmes Betriebsklima“. Wie Du diese letztendlich deutest, bleibt Dir überlassen. Beachte allerdings, dass beispielsweise Dynamik auf ein schnelles Wachstum des Unternehmens hinweisen kann, was wiederum Anpassungsfähigkeit fordern könnte oder die Erwähnung von flachen Hierarchien darauf abzielt, Dir bewusst zu machen, dass Du schnell Verantwortung übernehmen wirst.

Unser Tipp: Lies genau und versuche Dir durch weitere Recherche ein umfassendes Bild vom Unternehmen einzuholen. Mit gutem Wissen über die Firma und deren Tätigkeitsfeld kannst du vor allem im Vorstellungsgespräch punkten.

2. „Wir suchen ...“ – Die Stellenbeschreibung

Neben einem Eintrittstermin gehört das zukünftige Aufgabengebiet zu der Stellenbeschreibung. Hier werden dem Bewerber zukünftige Tätigkeiten aufgezählt. So kann sich dieser bereits vorab einen Einblick in den Alltag der Stelle verschaffen und seine Eignung einschätzen. Solltest Du bereits Erfahrung in einem der angegebenen Bereiche haben, erwähne dies unbedingt in Deinem Anschreiben!
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der Job-Titel. Vor allem englische Stellenbezeichnungen liegen im Trend und werden häufig von international tätigen Unternehmen verwendet. Wenn dann auch noch individuelle, interne Funktionen in den Titel mit aufgenommen werden, kann es beim Bewerber schon einmal zu Verwirrung kommen. Lasse Dich aber nicht verunsichern! Falls Du Fragen zu der Funktion oder dem Aufgabengebiet der Stelle hast, dann recherchiere den Begriff in einer Suchmaschine oder kontaktiere das Unternehmen und frage höflich nach.

Unser Tipp:
Setze Dich mit dem Unternehmen möglichst telefonisch in Verbindung. So kannst Du Dich anschließend in Deinem Anschreiben auf das Gespräch beziehen.

Wichtig dabei: Merke Dir unbedingt den Namen Deines Gesprächspartners.

3. „Wir erwarten ...“ – Muss- und Kann-Anforderungen

Dieser Bereich stellt wahrscheinlich den wichtigsten Abschnitt einer Stellenanzeige dar. Hier erfährst Du, welche Qualifikationen das Unternehmen vom neuen Mitarbeiter erwartet. Neben den berufstypischen Kompetenzen, beispielsweise dem Abschluss, Fachkenntnissen und Sprachen finden sich auch hier die sogenannten Softskills, die vor allem die sozialen Qualifikationen betreffen. Beispiele hierfür sind beispielsweise die Flexibilität oder die Teamfähigkeit.

Lass Dich nicht verunsichern – Du musst nicht unbedingt alle Anforderungen erfüllen. Bei den Qualifikationen unterscheiden Personaler in sogenannte Muss- und Kann-Anforderungen. Wie es die Namen schon vermuten lassen, ist die Erfüllung der Muss-Anforderungen eine Grundvoraussetzung für die Eignung des Bewerbers. Die Kann-Kompetenzen muss der Bewerber dagegen nicht unbedingt vereinen, allerdings ergeben sich natürlich Vorteile daraus, je mehr Kann-Anforderungen Du erfüllst.

Doch wie erkennst Du, ob es sich nun um eine Muss- oder Kann-Kompetenz handelt? Ganz einfach! Achte auf die Formulierung. Sollten Dir beispielsweise Ausdrücke wie „erwarten“, „voraussetzen“ oder auch „erforderlich“ begegnen und die Anforderungen dann auch noch als erste Punkte aufgezählt sein, kannst Du Dir sicher sein, dass diese erfüllt werden müssen – falls das bei Dir nicht der Fall ist, dann ist die Stelle leider nichts für dich.

Sollten allerdings Begriffe wie „idealerweise“, „zusätzlich“ oder „wünschenswert“ verwendet sein, dann handelt es sich hier um Kann-Kompetenzen. Falls Du hier ein oder zwei nicht erfüllst, ist das nicht so schlimm. Probiere trotzdem dein Glück und bewirb Dich auf diese Stelle! Solange du den Großteil der optionalen Qualifikationen mitbringst – und alle Muss-Anforderungen abdeckst – ist es einen Versuch wert. Allerdings gilt auch hier: Lies zwischen den Zeilen. Beispielsweise kann das Voraussetzen von „Belastbarkeit“ und „hoher Einsatzbereitschaft“ darauf hinweisen, dass Überstunden und Stress an der Tagesordnung stehen. Wäge ab, ob Du dich mit den Muss- und Kann-Anforderungen größtenteils identifizieren kannst und triff dann deine Entscheidung für oder gegen eine Bewerbung.

Unser Tipp: Falls Du Dir nicht sicher bist, ob du dich trotz passender Qualifikationen wirklich auf die Stelle bewerben sollst, dann raten wir Dir: Mach’s einfach! Denn das Schlimmste was passieren kann ist, eine Absage zu erhalten. Aus dieser kannst Du für die Zukunft lernen und beispielsweise ähnliche Stellen von vornherein ausschließen bzw. Dich auf für Dich relevantere Jobangebote konzentrieren.

4. „Wir bieten ...“ – Arbeitsbedingungen und (Zusatz-) Leistungen

Hier erfährst Du häufig Genaueres was auf Dich zukommt, falls du den Job bekommst. Vor allem Informationen zu den Arbeitszeiten, dem Arbeitsumfeld und dem Gehalt werden hier genannt. Außerdem kann das Unternehmen weitere Leistungen anführen, mit denen es sich interessanter für Bewerber macht. Beispiele hierfür wären z. B. Teamevents, Rabatte bei Shops, Verpflegung am Arbeitsplatz oder auch Zuschüsse zum Fitnessstudio. Du solltest Dir gut überlegen, ob Dir die vom Unternehmen genannten Rahmenbedingungen zusagen. Wenn Du schon hier merkst, dass die Arbeitszeiten nicht passen oder Dir die Zusatzleistungen nicht gefallen, macht es häufig keinen Sinn sich auf diese Stelle zu bewerben - denn letztendlich werden Dich diese Umstände im Arbeitsalltag stetig begleiten.

5. „Wir bitten um ...“ – Bewerbungsfristen, Ansprechpartner und Bewerbungsform

Im letzten Abschnitt der Stellenanzeige geht es um die formalen Informationen zur Bewerbung. Darunter zählen beispielsweise die Bewerbungsart, also z. B. Onlinebewerbung, Videobewerbung, postalische Bewerbung, sowie die geforderten Anlagen, also Nachweise, Arbeitsproben etc. und die Bewerbungsfrist. Außerdem findest Du hier auch den Ansprechpartner, an welchen Du deine Bewerbung richten und senden solltest.


Die Stellenanzeige bewerten

Ein wichtiger Indikator zur Bewertung einer Stellenanzeige ist neben der Vollständigkeit auch das Layout. Beispielsweise weisen der Umfang und Grafikelemente in der Stellenanzeige darauf hin, dass sich der Recruiter eingehend mit der Ausschreibung auseinandergesetzt hat. Vor allem größere Firmen nehmen oftmals viel Geld in die Hand, um ihre Stellenanzeige passend zu platzieren und so geeignete Kandidaten anzusprechen. Dahingegen solltest Du unbedingt die Finger von Stellenanzeigen lassen, die zum einen unvollständig sind zum anderen bei welchen die Angaben so klingen, als wären sie zu schön, um wahr zu sein. Viel Geld aber wenig Arbeit? Wahrscheinlich eher nicht. Außerdem sollte immer erkennbar sein, um welches Unternehmen es sich handelt und wie Du dieses erreichen kannst – Handynummern und private Mailadressen haben nichts in serösen Stellenanzeigen zu suchen.

 

Stellenanzeigen richtig lesen und verstehen – das Wichtigste zusammengefasst:

  • Prüfe, ob alle relevanten Informationen gegeben sind (Unternehmen, Job, Anforderungen, Bewerbungsablauf)
  • Lies genau und zwischen den Zeilen – gleiche alle Angaben immer mit deinen individuellen Wünschen an deinen zukünftigen Arbeitgeber und deinen Qualifikationen ab
  • Wäge ab, ob du dich in diesem Unternehmen/Job wohlfühlen wirst
  • Sei wachsam – nicht alle Stellenanzeigen sind seriös
  • Falls Du Dich für eine Bewerbung entscheidest, versuche Dein Anschreiben auf die Informationen und Forderungen aus der Stellenanzeige anzupassen