Anschreiben

Das verflixte leere Blatt

Auch wenn vereinzelt neue Formen der Bewerbung auftauchen, wie z.B. die eigene Homepage oder ein Bewerbungsvideo, steht am Anfang der meisten Bewerbungsprozesse immer noch das klassische Anschreiben. Viele sehen das als ungeliebte Pflichtübung, dabei ist das Anschreiben eines der wichtigsten Bausteine der Bewerbung. Schließlich ist es das erste Dokument, das der Personaler sieht. Weckt das Anschreiben sein Interesse und passen dann auch noch Lebenslauf und die Kenntnisse zu der ausgeschriebenen Position, haben Sie schon halb gewonnen.

 

Statt ein anonymes Massenschreiben zu verfassen, sollte Sie deshalb für jede Stelle, auf die sie sich bewerben, ein induividuelles Anschreiben verfassen und darin die Qualifikationen, die für die ausgeschriebene Stelle von Bedeutung sind, in den Vordergrund stellen.

 

Mit Individualität punkten

Kennen Sie den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier?“ Wie Bill Murray, der in dem Film in einer Zeitschleife festhängt, muss sich so mancher Personaler vorkommen, der tagaus, tagein Bewerbungsschreiben lesen muss, die alle mehr oder weniger ähnlich aufgebaut und formuliert sind.  Mit einem individuellen Anschreiben, das positiv aus dieser Masse heraussticht, sammeln Sie wichtige Pluspunkte.

 

Und das beginnt schon in der ersten Zeile bzw. in der Anrede. Steht hier „Sehr geehrte Damen und Herren“, haben Sie meist schon verloren. Denn damit signalisieren Sie, dass Sie sich nicht die Mühe gemacht oder getraut haben, herauszufinden, wer eigentlich zuständig ist. Dabei ist das die einfachste Übung: Wenn auf der Firmen-Homepage keine entsprechenden Infos zu finden sind, genügt ein Anruf.

 

Der Griff zum Telefon hat aber auch dann Vorteile, wenn in der Anzeige der Ansprechpartner genannt oder auf der Homepage leicht zu ermitteln ist. Denn mit einem Telefonat ist bereits ein erster persönlicher Kontakt hergestellt. Zudem erhalten Sie im Gespräch oftmals weitere Infos zu der ausgeschriebenen Position.

 

Damit ist der Einstiegsatz in das Bewerbungsschreiben eine leichte Übung: „Danke für das informative Telefongespräch vom …. Es hat mich mehr noch als die Stellenausschreibung davon überzeugt, dass ich ein geeigneter Kandidat für die Position als … bin“ gibt dem Anschreiben schon im ersten Satz eine persönlichere Note. Ein Einstieg wie „Ich habe Ihre Anzeige gelesen und möchte mich um die ausgeschriebene Stelle als …  bewerben“ bringt hingegen jeden Personaler definitiv zum Gähnen. Denn dass Sie sich bewerben, ist schließlich genauso offensichtlich wie Ihr Interesse für die Stelle. Diese Info gehört in die Betreffzeile (Betr.: Bewerbung als xxx/ Kennziffer) – und nur dahin!

Kontaktaufnahme unerwünscht?

Aber Vorsicht: In manchen Stellenanzeige – vor allem bei größeren Firmen – wird direkt oder indirekt darauf hingewiesen, dass ein telefonischer Vorabkontakt eigentlich nicht erwünscht ist. Indizien dafür können das Fehlen einer direkten Durchwahlnummer oder Formulierungen wie „Unsere Personalleiterin Frau XXX freut sich auf Ihre aussagekräftigen Unterlagen."

 

Das kann eine unbewusste Formulierung sein, aber eben auch der dezente Hinweis darauf, dass Frau XXX tatsächlich nur Ihre Unterlagen erwartet und eben nicht Ihren Anruf. Anrufen sollten Sie in diesem Falle nur, wenn Sie konkrete Detailfragen zu der ausgeschriebenen Position haben.

Keine Kurzvariante des Lebenslaufs

In der Regel zeugt ein telefonischer Vorabkontakt von Eigeninitiative und Engagement und wird meist positiv registriert. Und wie gesagt, damit haben Sie den perfekten Aufhänger für Ihren Einstiegssatzin das Anschreiben. Und wenn der Einstieg gelungen ist, liest der Personaler meist interessiert weiter.  Im Hauptteil lauert dann allerdings der nächste Stolperstein. Viele liefern hier eine Kurzvariante ihres bisherigen Berufslebens. Das will aber definitiv niemand lesen, denn diese Infos sucht und findet der Personaler im Lebenslauf. Vielmehr will er erfahren, ob und warum Sie ins Unternehmen und auf die ausgeschriebene Position passen.

 

Anhaltspunkte dazu liefert Ihnen die Stellenanzeige. In ihr ist in der Regel beschrieben, welche Anforderungen erwartet werden und welche Qualifikationen der Bewerber mitbringen sollte.

 

Es klingt paradox, aber nach Erfahrung vieler Personaler gehen die wenigsten Bewerber darauf ein. Dabei ist es recht einfach, diese Infos aus der Stellenausschreibung oder von der Unternehmenswebsite aufzugreifen und sie mit den eigenen Erfahrungen und Kenntnissen in Szene zu setzen.

 

Wie Sie Stellenanzeigen interpretieren und die fürs Anschreiben wichtigen Informationen herausfiltern, haben wir auf der Seite Stellenanzeigen analysieren  zusammengefasst.

Was wollen Sie? Was können Sie? Was erwarten Sie?

Schwierig? Eigentlich nicht! Stellen sie sich doch einfach vor, Sie wollen einem Freund erklären, warum Sie genau diesen Job wollen. Das fällt Ihnen doch leicht, oder? Polieren Sie das, was Sie Ihrem Freund sagen würden, sprachlich auf und rein damit ins Anschreiben.

 

Allerdings genügt es nicht, Ihr Können und Ihre Qualifikationen (Teamfähigkeit, Flexibilität, etc.) nur aufzulisten, Sie sollten Sie auch belegen, indem sie Beispiele anführen: „In meiner Tätigkeit als … haben wir die gesetzten Ziele nur erreicht, weil es mir nicht gelungen ist, alle in meinem Team dafür zu motivieren“

 

Punkten können Sie zudem mit Infos zum Unternehmen. Damit zeigen Sie, dass Sie sich mit der Firma und der Stelle beschäftigt haben. Mit platten Lobeshymnen ist hier allerdings nichts zu gewinnen. Wenn Sie wissen, dass das Unternehmen in einen neuen, spannenden Markt expandiert oder ein innovatives Produkt auf den Markt bringt, und die ausgeschriebene Stelle damit in Verbindung steht, dann bringen Sie das auf den Punkt. „Mir ist bekannt, dass das Produkt xxx kurz vor der Markteinführung steht. Mit meiner Erfahrung im Projekt xyz denke ich, von Anfang an hier konstruktive Aufbauarbeit leisten zu können“.

 

Bei einer Bewerbung aus einer ungekündigten Stellung möchte der potentielle neue Arbeitgeber in der Regel wissen, welches Motiv der Bewerber für einen Wechsel hat. Die Gründe dafür (berufliche Weiterentwicklung, neue Herausforderungen) sollten im Anschreiben zumindest kurz Erwähnung finden. Detailliert wird darauf sicherlich im Vorstellungsgespräch eingegangen.

 

Spielen sie zum Ende des Anschreibens den Ball gewissermaßen zurück ins Feld des Unternehmens, in dem Sie den Personaler zur Reaktion auffordern. „Ich freue mich auf die Einladung zu einem persönlichen Gespräch, in dem wir weitere Details klären können. Bis dahin verleibe ich mit freundlichen Grüßen “

Maximal eine Seite

Auch wenn Ihnen viele Gründe einfallen, warum Sie den Job wollen, darf das Anschreiben maximal eine DIN-A4-Seite umfassen, wobei die Schriftgröße nicht kleiner als 10 Punkt sein sollte.

 

Und: Widerstehen Sie der Versuchung, ein Standardanschreiben für jede Ihrer Bewerbung einzusetzen. Erfahrenen Personalern fällt das sofort auf, denn dann bleiben Sie zwangsläufig oberflächlich und gehen nicht auf die Stelle und das Unternehmen ein. 

 

Was jetzt nicht heißt, dass Sie jede Bewerbung komplett neu schreiben müssen, allerdings sollte jedes Anschreiben gezielt auf die Anforderungen eines jeden Stellenangebots angepasst werden. Und darin wirklich nur die Kompetenzen thematisiert werden, die für die ausgeschriebene Stelle von Bedeutung sind.

 

Ganz wichtig: Lassen Sie das Schreiben (und die ganze Bewerbung) gegenlesen. Denn Bewerbungen mit Rechtschreib-, Stil- oder Zeichensetzungsfehlern hinterlassen mindestens einen schlechten Eindruck, meist landen Sie ungelesen im Papierkorb.

 

 

 

Probleme bei der Formulierung des Anschreibens? Hier gibt es neben kostenlosen Vorlagen für Anschreiben, Lebenslauf (Lebenslauf Muster) und Deckblatt auch hilfreiche Beispiele für die Formulierung von Einleitungssatz, Schlussformel und Gehaltsvorstellung.

 

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