Wer hat die Nase vorn?

Die Autostädte Wolfsburg und Ingolstadt im Vergleich

Rein statistisch erwirtschaftet jeder Ingolstädter ein Bruttoinlandsprodukt von 123.014 Euro. In Wolfsburg sind es sogar 136.531 Euro. In beiden Städten gibt es deutlich über 100.000 Arbeitsplätze, fast so viele wie Einwohner. Grund ist natürlich die KFZ-Industrie. Aber wer hat in Sachen Beschäftigung die Nase vorn? Die Online-Jobbörse für den Mittelstand Yourfirm (www.yourfirm.de) wollte es genau wissen und wertete dafür die Daten der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2016 aus.

 

Beide Städte sind in etwa gleich groß, Wolfsburg hat 124.045, Ingolstadt etwas mehr Einwohner (132.438). In Sachen Arbeitsplätze liegt Wolfsburg mit 119.848 Beschäftigten deutlich vor Ingolstadt (103.718 Beschäftigte). Die Masse der Jobs stellen natürlich die beiden Global Player der KFZ-Industrie: Die VW AG beschäftigt in ihrem Wolfsburger Werk über 50.000 Mitarbeiter, die VW-Tochter Audi in Ingolstadt rund 45.000 Menschen.

 

Die Jobmaschinen in den beiden Autostädten laufen derzeit wie geschmiert: Mit den für das Jahr 2016 ermittelten durchschnittlichen Arbeitslosenquoten von 5 % (Wolfsburg) und 3,1 % (Ingolstadt) spielen beide Städte in ihren jeweiligen Bundesländern ganz vorne mit (Niedersachsen: 6,3 %, Bayern: 3,5 %). Allerdings bestätigt der direkte Vergleich auch das allgemeine Nord-Süd-Gefälle in Deutschland. In allen beschäftigungsrelevanten Punkten schneidet das norddeutsche Wolfsburg etwas schlechter ab als das süddeutsche Ingolstadt. Das beginnt schon bei der Beschäftigungsquote: In Ingolstadt sind 66 Prozent der Einwohner im Erwerbsfähigen Alter auch tatsächlich erwerbstätig, in Wolfsburg liegt diese Quote mit 62,9 Prozent etwas niedriger (Deutschland:  57,3 Prozent).

 

Die sogenannte Unterbeschäftigungsquote liegt in Ingolstadt mit 4,0 % deutlich niedriger als in Wolfsburg (6,2 %).  Ähnlich das Bild bei der Jugendarbeitslosigkeit: 7,3 % der Erwerbslosen in Wolfsburg sind unter 25 Jahre alt (354 Personen), in Ingolstadt liegt diese Quote nur bei 4,2 % (246 Personen). In beiden Städten gilt fast jeder dritte Erwerbslose als langzeitarbeitlos, d.h. er ist seit über einem Jahr ohne Beschäftigung. In Wolfsburg liegt diese Quote bei 30,8 %, das sind 1.030 Personen. In Ingolstadt bedeutet die etwas niedrigere Quote (27,5 %) 654 Personen.

 

Dem gegenüber standen im Jahresmittel 2016 in Ingolstadt 1.684 und in Wolfsburg 1.311 gemeldete offenen Stellen. Vielen Langzeitarbeitslosen hilft dies nicht wirklich, denn gesucht werden meist gut ausgebildete Fachkräfte, denn auch die Quote der hochqualifizierten Beschäftigten liegt in beiden Städten über dem Durchschnitt: Sie liegt in Ingolstadt bei 32,2 %, in Wolfsburg bei 27,8 % (Deutschland: 25,4 %)

 

Es verwundert nicht, dass in beiden Städten ein Großteil der Beschäftigten in Großbetrieben mit über 250 Mitarbeitern tätig sind. Der Unterschied ist dennoch deutlich: In Wolfsburg sind es 74,2 Prozent, in Ingolstadt „nur“ 61,8 Prozent.

 

Ein hoher Anteil an Beschäftigten in Großbetrieben in einer Region kann sowohl Chance als auch Risiko darstellen. Denn einerseits übt ein größerer Betrieb Anziehungskräfte auf weitere Unternehmen aus, so dass durchaus positive Wirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung bestehen kann. Andererseits kann die Entwicklung eines einzelnen Unternehmens über das wirtschaftliche Auf und Ab einer ganzen Region mitentscheiden. Ganz besonders gilt dies natürlich, wenn sie von einer Branche abhängig ist.

 

Pressemitteilung vom 29. Juni 2017

 

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