Bewerbertage für Berufseinsteiger – intensives gegenseitiges Kennenlernen

9 Jul

shutterstock_55381600Um potenzielle Auszubildende oder akademische Nachwuchskräfte intensiver kennenzulernen und ihnen die gewünschten authentischen Unternehmenseinblicke zu ermöglichen, sind Bewerbertage ein sinnvolles Recruiting-Instrument. Warum? Weil sie Elemente der Personalauswahl mit Elementen des Personalmarketings verbinden und dadurch für beide Seiten vielfältige Vorteile bieten.

Elemente professioneller Bewerbertage

Charakteristisch für Bewerbertage ist die Kombination von Aufgabenstellungen für Bewerber und Aktivitäten, in denen die Arbeitgeber im Fokus stehen. Die Aufgabenstellungen für Kandidaten sind an Assessment-Aufgaben angelehnt. Ein häufig genutzter Aufgabentypus sind interaktive Fallstudien und Teamaufgaben mit möglichst authentischen Themen aus der künftigen Aufgabenwelt. Da geht es z.B. darum, Antworten auf strategische oder konzeptionelle Fragen zu finden oder kreative Ideen für technologische Innovationen zu entwickeln.
Bei der Vorstellung als Arbeitgeber sind vielfältige Formate denkbar. Häufig zum Einsatz kommen beispielsweise:

  • Präsentationen über das Unternehmen und seine Produktwelt, Erfahrungsberichte über typische Aufgaben und Projekte oder Vorstellung von Arbeitgeberleistungen und -aktivitäten
  • Betriebsbesichtigungen/-rundgänge – gerne kombiniert mit interaktiven Situationen, in denen man z.B. Werkzeuge, Maschinen, Teil- oder Endprodukte ausprobieren kann
  • Treffen künftiger Kollegen in lockerer Frage- und Gesprächsrunde
  • Kurze Bewerbertrainings oder Coachings

Teilweise werden Bewerbertage noch in ein Rahmenprogramm eingebettet, das zusätzliche informelle Möglichkeiten des Kennenlernens bietet. Ob gemeinsames Essen, Stadtrundfahrt oder abschließendes Get Together – hier ist vieles denkbar. Einzelne Unternehmen heben den Event-Charakter noch mehr hervor und machen aus Bewerbertagen Karriere-Events. Dazu trägt insbesondere die Wahl besonderer Durchführungsorte bei (z.B. Boot, Berggipfel).

Zum guten Ton eines Bewerbertages gehört es schließlich auch, den Teilnehmern ein Feedback zu geben – unabhängig davon wie es für den jeweiligen Kandidaten weitergeht und ob sein Interesse am Unternehmen bestehen bleibt.

Hohe Attraktivität durch Vorteile für beide Seiten

Bewerbertage bieten sowohl den Arbeitgebern als auch den Kandidaten eine Menge Vorteile. Bewerber schätzen vor allem:

  • Realistische Einblicke in Unternehmens- und Aufgabenwelt
  • Kennenlernen von Unternehmensvertretern aus verschiedenen Bereichen sowie potenzieller Kollegen
  • Gefühl von Augenhöhe durch gegenseitiges Vorstellen und Kennenlernen
  • Größere Chancengleichheit durch die Möglichkeit, jenseits von Zeugnissen und Unterlagen mit der eigenen Persönlichkeit zu überzeugen
  • Feedback mit Hinweisen zur persönlichen Entwicklung

Aus Unternehmenssicht bieten Bewerbertage die Möglichkeit:

  • mehrere Bewerber vergleichend in überschaubarer Zeit und in unterschiedlichen Situationen kennenzulernen
  • Personalentscheider und ggf. auch künftige Kollegen aktiver in die Personalauswahl einzubeziehen
  • sich den Teilnehmern als attraktiver Arbeitgeber jenseits von E-Recruiting-Aktivitäten, Jobmessen und Bewerberbroschüren zu präsentieren
  • sich mit der Berichterstattung über die Bewerbertage als offenes und aufgeschlossenes Unternehmen zu positionieren
  • Absprungquoten nach Auswahlprozessen und Frühfluktuation zu reduzieren

Tipps zur Organisation von Bewerbertagen

Wie beim Assessment Center sollten Sie die Aufgaben für die Kandidaten auf den potenziellen Aufgabenbereich und die wesentlichen Anforderungen zuschneiden sowie mit relevanten Informationen und klaren Handlungsanweisungen aufbereiten. Empfehlenswert sind außerdem strukturierte Bewertungsraster, die eine anforderungsorientierte und vergleichende Bewertung der Teilnehmer erlauben. Die Unternehmensvertreter sollten Sie nicht nur mit den Aufgaben, sondern auch mit den Herausforderungen von Beobachtung und Bewertung von Teilnehmern vertraut machen.

Außerdem gilt es passende Repräsentanten zu gewinnen, Themen und Formen der Arbeitgeber-Präsentation mit ihnen abzustimmen und diese zu briefen. So ist es u.a. wichtig, dass sie kritischen Fragen nicht ausweichen, auch mal auf Schwachpunkte z.B. bei einer Betriebsbegehung hinweisen, die Teilnehmer zu Fragen motivieren oder aktiv einbinden.

Zur Teilnehmergewinnung ist entsprechendes Marketing hilfreich. Informationen zu Bewerbertagen gehören auf die Karriereseite und in die Social Media-Auftritte des Unternehmens. Auch Pressemitteilungen sowie die Ansprache von Schulen und Hochschulen helfen bei der Gewinnung von Interessenten. Und natürlich können Sie auch persönliche Einladungen zum Beispiel auf Jobmessen, Azubi-Speed-Datings etc. aussprechen. Einen guten Eindruck hinterlassen Sie, wenn Sie auf eingehende Bewerbungen zügig und wertschätzend reagieren und bei Einladung von Interessenten zu einem Bewerbertag direkt ein paar weitere Detailinformationen (z.B. zur Reiseorganisation, genauer Ablaufplan etc.) mitliefern.

Während und nach einem Bewerbertag ist die Berichterstattung wichtig – auch hier spielen Karrierewebseite und Social-Media-Auftritte eine entscheidende Rolle. Mit Fotos (Achtung: Bildrechte) und Teilnehmerstimmen in Form von Testimonials oder Teilnehmerbewertungen können Sie Ihr Personalmarketing zusätzlich unterstützen.

Unternehmen, die erstmalig einen Bewerbertag organisieren möchten oder kleine und mittlere Unternehmen, denen die notwendigen personellen und zeitlichen Ressourcen fehlen, aber dennoch von den Vorteilen profitieren wollen, können auf die Unterstützung spezialisierter Recruiting Dienstleister zurückgreifen. Sie entlasten bei der Konzeption und Organisation, sorgen für die notwendige Professionalität und können teilweise auch Formate in Kooperation mit anderen Unternehmen anbieten.

R-Böck2Über die Autorin:

Dr. Ruth Böck ist Inhaberin von upo – Bausteine für Rekrutierungserfolg und unterstützt seit vielen Jahren Unternehmen dabei, ihr Recruiting erlebbar zu professionalisieren. Sie ist auch einer der Macher des Portals Rekrutierungserfolg.de und schreibt hierbei für blog.rekrutierungserfolg.de

 

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