Onlineauftritt von Arbeitgebern im Mittelstand – Status Quo und Optimierungspotenzial

16 Apr

shutterstock_63243691Das Internet gewinnt rasant an Bedeutung. Es wird eingekauft, verkauft, konzipiert, gelernt, zusammengearbeitet– alles virtuell, alles per Web. Und natürlich wird hier auch nach Jobs gesucht und sich beworben:

Fakten:

  • 66,4% der Bewerber suchen aktiv in Online-Stellenbörsen, 37,9% direkt auf Unternehmenswebseiten nach neuen Jobs (Monster/CHRIS: Bewerbungspraxis 2015, S. 8)
  • Fast jeder 2. Bewerber gibt an, häufig(er) nach Jobs zu googlen, bei unter 25 Jährigen liegt der Anteil sogar bei 83,7% (careerbuilder: Die 360-Grad-Studie Recruiting 2014, S. 2)

Für Unternehmen ist das Internet deshalb nicht nur in ihrer Rolle als Produzenten oder Dienstleister wichtig, sondern auch in der Rolle als Arbeitgeber. Ob ein Arbeitgeber online gefunden wird und wie er im Web wahrgenommen wird, ist von herausragender Bedeutung – gerade für mittelständische Unternehmen und „Hidden Champions“, die nicht ständig in Wirtschaftsnachrichten und Werbung präsent sind.

Online-Recruiting-Praxis im Mittelstand

Wie stellen sich mittelständische Unternehmen dieser Herausforderung? Die Studie „Online-Recruiting-Praxis Mittelstand“ beleuchtet die Arbeitgeberpräsentation von 48 mittelständischen Unternehmen unterschiedlicher Größenklassen in 4 Dimensionen:

  • Karriereseite,
  • Online-Stellenanzeigen,
  • Arbeitgeberbewertungen,
  • Social Media Profile.

170 Kriterien fließen in die Bewertung ein, deren Teil- und Gesamtergebnisse auf einer Skala von 0 bis 100 abgebildet werden. Die Stichprobe wurde als geschichtete Zufallsauswahl aus aktiven Unternehmensprofilen in den Portalen yourfim.de und Karriere-familienunternehmen.de in 02/03 2015 gezogen.

Größe ist alles – oder nicht?

Im Gesamtergebnis zeigt sich eine Bandbreite zwischen knapp 20 und etwas über 60 Punkte. Es kann also bei allen betrachteten Unternehmen einiges getan werden, um den Arbeitgeberauftritt zu verbessern.

GesamtergebnisWie die Abbildung zeigt, erzielen die größeren Mittelständler mit mehr als 1000 Mitarbeitern durchschnittlich etwas höhere Punktwerte als die kleineren Unternehmen (55 zu 45 Punkte). Allerdings beweisen einzelne Unternehmen, dass auch kleinere Unternehmen mit den Größeren mithalten können.

Betrachtet man die Detailergebnisse zu den 4 untersuchten Dimensionen, kann festgehalten werden: Während Online-Stellenanzeigen über alle Unternehmensgrößen etwa gleich abschneiden, zeigen sich insbesondere Unterschiede bei den Karriereseiten, den Arbeitgeberbewertungen und bei Social Media Profilen.

Karriereseite als Schaltzentrale der Arbeitgeberkommunikation

Positiv fällt auf, dass alle betrachteten Unternehmen eine Karriereseite haben. Sie informieren recht gut über die Hardfacts des Unternehmens, aber zu wenig über Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit. Es gibt zwar häufiger Informationsbereiche für Auszubildende, aber nicht für andere Bewerbergruppen. Die Texte haben überwiegend Abstriche hinsichtlich Lesbarkeit und Aussagekraft. Auf Visualisierung wird zu oft verzichtet. Das gilt auch für Links zu weiteren Webprofilen oder Nennung von Ansprechpartnern.

Ergebnisse_Karriereseite

Bereits mit einfachen Mitteln können bei fast allen sehr wirkungsvolle Verbesserungen erzielt werden, in dem die Karriereseite zum zentralen Anlaufpunkt für alle interessierten Personen wird.

Tipps zur Karriereseite:

  • Geben Sie mehr Einblicke und bündeln Sie Informationen, die für Bewerber interessant sein könnten, strukturiert und übersichtlich, idealerweise nach Bewerbergruppen. Nutzen Sie auch Visualisierungen.
  • Achten Sie auf eine gut lesbare Schrift und konkrete Aussagen.
  • Machen Sie Interaktions- und Kommunikationsangebote und verlinken Sie von Stellenanzeigen, in Social Media Profilen und Arbeitgeber-Veröffentlichungen zur Karrierewebseite.

Social Media Profile – informieren und kommunizieren

Über 90% der betrachteten Unternehmen haben mindestens ein Social Media Profil. Genutzt werden diese aber überwiegend nur zur Unternehmensdarstellung, was die Bewerberzielgruppe zu wenig anspricht. Außerdem ist eine geringe Aktivität (Aktualisierung) auf den Profilen beobachtbar. Dabei bieten die Sozialen Netzwerke gute Möglichkeiten, um aktuelle Einblicke in das Unternehmen zu geben und direkt auf Stellenangebote hinzuweisen.

Tipps zu Social Media Profilen:

  • Posten Sie regelmäßig für potenzielle Bewerber relevante Informationen und reagieren Sie auf Kommentare.
  • Richten Sie wo möglich Register/ spezielle Unterseiten mit relevanten Posts für mögliche Bewerber ein.
  • Verlinken Sie vom Social Media Profil direkt auf Ihre Karrierewebseite.
  • Informieren Sie Ihre Mitarbeiter über die offiziellen Unternehmensprofile, damit die persönlichen Profile mit dem richtigen Profil verbunden sind.

Arbeitgeberbewertungen – die besondere Online-Reputation

Kununu, Glassdoor, companize, … es gibt eine Reihe von Arbeitgeberbewertungsplattformen. Die betrachteten Unternehmen sind mit mehreren Bewertungen aktuell eigentlich nur auf kununu zu finden gewesen (73% mit mehr als 5 Bewertungen). Kommentarmöglichkeiten werden von über 80% nicht genutzt, womit auf eine aktive Arbeitgeberpräsentation verzichtet wird.

Tipps zu Arbeitgeberbewertungsplattformen:

  • Prüfen Sie regelmäßig, auf welchen Plattformen Bewertungen abgegeben werden.
  • Nutzen Sie Kommentierungsmöglichkeiten zum Dank, zur Richtigstellung, zur Nachfrage und/oder zum Bedauern.
  • Bitten Sie aktive Mitarbeiter, ausscheidende Mitarbeiter und Bewerber zur Bewertung.
  • Bieten Sie ggf. auch eigene, zielgerichtete Bewertungsmöglichkeiten (z.B. Bewerberbefragung) an.

Arbeitgeberauftritt im Internet aufwerten

Bereits mit wenigen Schritten und geringem Aufwand können sich mittelständische Unternehmen besser als Arbeitgeber im Web präsentieren und sich so auch vom Wettbewerb abheben.

Weitere Ergebnisse mit Hintergrundinformationen und Tipps werden nach und nach unter #OReP15 und www.recruiting-check.de veröffentlicht.

R-Böck2Über die Autorin:

Dr. Ruth Böck ist Inhaberin von upo – Bausteine für Rekrutierungserfolg und unterstützt seit vielen Jahren Unternehmen dabei, ihr Recruiting erlebbar zu professionalisieren. Sie ist auch einer der Macher des Portals Rekrutierungserfolg.de und schreibt hierbei für blog.rekrutierungserfolg.de

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